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22.3.2006: sz online - Nürnberger Nachrichten

Gospel tut dem Körper und der Seele einfach gut
Der "Nürnberger Gospelchor" besteht seit 38 Jahren und ist damit der älteste in der Stadt - Sänger gesucht

Von Susanne Ziegler


Artikel in den Nürnberger Nachrichten. (Klicken für große Ansicht)

Seit 38 Jahren sorgt der "Nürnberger Gospelchor" für eine besondere Note in der sonst so seriösen Kirchenmusik. Bei evangelischen Kirchentagen begeisterte er Tausende, Gastspiele führten nach Frankreich, Polen und Tschechien. Gerade bereiten die engagierten Sänger einen Auftritt in Bischofswerda vor - Grund genug für einen Probenbesuch in Langwasser.

"Wenn ich den Finger hebe, heißt das nicht, dass ich mitspielen will, sondern dass der Schlussakkord nach oben geht!", tadelt Chorleiter Gerhard Albrecht lächelnd. Im Gemeindesaal der Passionskirche, der mit bunten Kinderzeichnungen und einem großen Holzkreuz geschmückt ist, räuspern sich die Sänger und setzen nochmal an. "Make it to Jesus", erschallt es nun perfekt mit der Band abgestimmt aus dreißig Kehlen.

Spaß am Singen steht im Vordergrund des ältesten Gospelchors der Stadt. Fasziniert von einem Auftritt des bekannten und erfolgreichen "Golden Gate Quartets" gründete Albrecht 1968 mit vier Mitstreitern den Chor. Damals war die aus den Spirituals entstandene afro-amerikanische Gospelmusik noch weitgehend unbekannt. Heute sind die eingängigen Texte und der mitreißende Rhythmus bei Alt und Jung beliebt.

Auch die "Chorälteste", wie sich Brigitte Ertl-Kotzem selbst schmunzelnd bezeichnet, ließ sich von den schmissig-intensiven Liedern begeistern. Nach einem Autounfall fuhr sie mit einem Kollegen zur Arbeit und sah im Fond zahlreiche Notenblätter liegen - der hilfsbereite Fahrer entpuppte sich als der Bruder des Chorleiters. Wenig später trat Ertl-Kotzem zur ersten Probe an und freut sich bis heute über ihr Glück im Unglück: "Gospel tut einfach Körper und Seele gut!"

Rund ein Dutzend Konzerte geben die Gospelsänger im Jahr. Das Repertoire umfasst über 120 Lieder. Inspiration und neue Songs findet Albrecht in den USA. Hier ist der größte Markt für Gospels, eigene Radiosender spielen rund um die Uhr schwarze Kirchenmusik. Doch nicht alle neuen Kompositionen passen auch zum Nürnberger Chor - der Chorleiter stimmt jeden Song auf die Bedürfnisse seines Singkreises ab.

Die Motivationen, im Chor mitzusingen, sind ebenso unterschiedlich wie das Alter oder der Beruf der Laien-Sänger: "Zum einen ist da die Begeisterung für die Musik, zum anderen die Geselligkeit. Und natürlich gibt es Mitglieder, für die das, was hinter den Liedern steckt, also der christliche Gedanke, im Mittelpunkt steht", erzählt Albrecht.

Neben Liedern zum Mitwippen und -singen gibt's bei den Konzerten auch reichlich Informationen für die Zuschauer: "Wir wollen bei den Konzerten nicht nur unser Programm absingen", betont Albrecht, "sondern erklären auch die Entstehungsgeschichte, die Grundbefindlichkeit der Gospels."

Die christliche Gesinnung der Lieder spiegelt sich auch im sozialen Engagement wieder. Jedes Jahr spielt der Chor ein Konzert für wohltätige Zwecke. Beim letzten Benefiz-Auftritt in Stein konnten so rund 2000 Euro für Kinder in Tschernobyl eingenommen werden.