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2.10.2003: sz online - Sachsen im Netz
Zuhören, nachdenken, mitswingen
Nürnberger Gospelchor gastiert mit anspruchsvollem
Programm in der Christuskirche Bischofswerda
Sächsische Zeitung
Montag, 29. September 2003
Von Crista Vogel



Begeisterte die Zuhörer in der gut besuchten Christuskirche: der Nürnberger Gospelchor. Foto: Carmen Schumann
Zum fünften Mal gastierte der Nürnberger Gospelchor am Freitag in der Christuskirche Bischofswerda. Selbst auf der dritten Empore standen die erwartungsvollen Besucher, als die reichlich 30 Mitglieder singend und swingend zum Altarplatz zogen. Seit der Gründung 1968 leitet Gerhard Albrecht das Ensemble, dem eine Begleitband mit ausgefeilter Klangkultur zur Seite steht. Und sie kamen nach drei Jahren mit völlig neuem Programm und in verjüngter Besetzung.

Wieder stand ihnen die Freude am Singen und Gestalten im Gesicht, wollten sie Alltagssorgen vergessen lassen und dennoch in Texten mahnen. Sympathisch vermittelten Moderatorin und Chorleiter in Geschichten die Geschichte nordamerikanischer Farbiger afrikanischen Ursprungs in Liedern biblischen Glaubens. Dies erzählten traditionelle Spirituals und moderne Gospels, speziell arrangiert für einen eigenen Chor.

Anspruchsvoll und mit wenig Bekanntheitsgrad war ihr aktuelles Programm, eben eins mit vorwiegend Hörcharakter. Es ließ die Gäste zumeist ergriffen lauschen, wenn etwa "I will sing praises" verhalten beginnend sich allmählich in ekstatische Höhen steigerte und schwebend ins Kirchenhaus stieg.

Aggressiv und fordernd sangen sie Spirituals afrikanischen Ursprungs. Im typischen Vorsänger-Chor-Wechsel und mit bewundernswerter Ausstrahlung gelangen "Jesus in the light" oder das mitreißende "Go down Moses". Da standen die ersten jungen Leute in den Bänken, sprang der Funke ins Publikum. Wenn auch das Mitsingen trotz Animation schwach blieb, das von Gerhard Albrecht für Frau Schierz angestimmte Geburtstagsständchen war erfolgreich.

Immerhin Hände zum Klatschen, ob beim Rhythmus oder Beifall, wurden wieder aktiv. Ein perfekt arrangiertes Medley mit Taufliedern für Erwachsene überzeugte, brachte neue Sichten. Mit Inbrunst und Pathos wuchsen moderne Gospels wie "Jesus I love you" und andere Lobgesänge zu Glanzlichtern. A-Capella-Gesang vom Feinsten klang auf und erhielt Super-Ovationen. Und Chorleiter Gerhard Albrecht war sein engagiertestes Mitglied. "Potters house" (das Haus des Töpfers) mit Duettgesang wurde zum schönsten Renner. Die Mitglieder des Chores wissen, was sie singen und lassen mit Final-Power das Schwingen der stimmungsgeladenen Songs in Herzen und Seelen der Gäste wuchern. Aber ehrlich, ab und an ein traditionell-jazziger Ohrwurm zum Mitsingen hätte den Gästen schon gut getan.

 

5.9.2003: Förderverein Kirchenmusik e.V. Bischofswerda
Freitag, 26. September - 20.00 Uhr, Christuskirche Bischofswerda

SPIRITUAL & GOSPEL mit dem Nürnberger Gospelchor
Leitung: Gerhard Albrecht

Oh when the saints go marching in - O wenn die Heil'gen ziehen ein

Worin liegt das Geheimnis und die Faszination des Gospels? Es ist nicht diese Form der Musik schlechthin, sondern die Art und Weise, wie sie rübergebracht wird. Und dies bekamen die Besucher des Konzertes vom Nürnberger Gospelchor zu spüren. Die Hingabe und tiefen Empfindungen, die in der Musik stecken, finden ihren Ausdruck im vorherrschenden Rhythmus, der die Hände zum Klatschen, die Füße zum Stampfen und den Körper zum Schwingen verleitet. Kaum ein Gast blieb ganz still in seiner Bank sitzen, und es waren sehr viele gekommen, um den inzwischen in ganz Deutschland bekannten Chor zu erleben.

Singend und rhythmisch swingend zogen die reichlich 30 Mitglieder des sich 1968 aus einem Männerquartett unter Leitung von Gerhard Albrecht entwickelnden Chores zum Altarplatz. Zwei Mitglieder der zugehörigen Band sorgten für den instrumentalen Sound, die Technik versiert und überaus transparent. Es bedurfte nur weniger Worte der Moderatorin, um zum Gespür der Freude an Rhythmik und musikalischer Wärme anzuregen. Im Wechsel mit dem musikalischen Leiter knüpfte die Sprecherin in gefühlvoll-bildhafter Sprache ein Band zu den Songs, ließ die Geschichte der farbigen Gläubigen Amerikas lebendig werden. Die Botschaft der Spirituals und Gospels, die in der Zeit der Sklaverei in Afrika und Amerika entstanden, ist auch heute noch gültig. Immer geht es um Menschen, die ihre Kraft aus dem Glauben geschöpft haben. Und es geht um schwarze Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert wurden und werden. Für die Besucher des Konzertes in der Christuskirche war dieser Abend sicher ein Besonderer. Zu selten hat man die Gelegenheit, diese stimmungsgeladene Musik live zu erleben. Die Atmosphäre in der Kirchenhalle war beeindruckend, keiner wollte so richtig gehen, obwohl doch alle von den Sängerinnen und Sängern des Chores hinausgeleitet wurden - tanzend und singend. Kein Wunder, dass das Konzert mit dem Wunsch aufs Wiedersehen mit dem erfolgreichen Ensemble ausklang."

Allen Mitgliedern des "Nürnberger Gospelchores" gemeinsam ist die Freude an der Interpretation traditioneller Spirituals und Gospels. Vorwiegend handelt es sich hierbei um Arrangements, die von Gerhard Albrecht speziell für diesen Chor umgeschrieben werden und die zugleich die Originalität der Stücke weitgehend erhalten.

Nach seinen großen Erfolgen '94, '96, '98 und 2000 gastiert der "Nürnberger Gospelchor" nun schon zum fünften Mal in Bischofswerda.

© Veranstaltungskalender Kirchenmusik 2003 der Vereinigten Ev.-Luth. Kirchgemeinde