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Gospel - kurze Einführung

 

Das Wort Gospel kommt aus dem Altenglischen „gōdspel“ und bedeutet die „Gute Nachricht“ bzw. das Evangelium. Somit ist Gospelmusik nichts anderes als die gesungene Verkündigung.

Zeitlich gesehen geht die Gospelmusik ins 17. Jahrhundert zurück, in die Zeit der Kolonialisierung und dem damit verbundenen Sklavenhandel. In die Sklaverei verkaufte und nach Amerika verschleppte Afrikaner sangen während der harten Arbeit auf den Plantagen oder in Gefangenenlagern neben „Worksongs“ mit weltlichem Inhalt auch „Negro Spirituals“. In den Spirituals, die alle biblischen Inhalt hatten, baten sie Gott um Beistand in schwerer Zeit. Besonders in den Texten des Buches Exodus, die von der ägyptischen Gefangenschaft der Israeliten und deren Befreiung durch Mose erzählen, fanden sich die Sklaven wieder. Sie projizierten ihren Schmerz und ihre Verzweiflung, aber auch ihre Hoffnung auf Errettung hinein in die Zeilen dieser Lieder.

Viele Spirituals hatten neben ihrem eindeutig biblischen Bezug auch noch einen historischen. Die „Underground Railroad“, ein Netzwerk von Gegnern der Sklaverei, bediente sich der Sprache der Spirituals, um Sklaven die Flucht ins „Verheißene Land“ zu erleichtern - also in den Norden Amerikas, der bereits befreit war. Spirituals wurden derart kodiert, dass Sklaven aus ihnen z.B. konkrete Informationen über sichere Fluchtrouten, Fluchthelfer etc. entnehmen konnten.

Charakteristik der Spirituals war zum einen der Gesang im Unisono (d.h. alle Stimmen folgen der gleichen Melodie), zum anderen waren sie reine A-cappella-Stücke, also ohne instrumentale Begleitung. Die einzig erlaubte musikalische Ausdrucksform der Sklaven war der Gesang, denn die Kolonialherren verboten den Sklaven jegliche Art von Instrumenten. Sie befürchteten, die Sklaven könnten Instrumente dazu benutzen, um Informationen für eine mögliche Flucht untereinander weiterzuleiten. So kennen Spirituals als Begleitung einzig rhythmisches Klatschen und Stampfen. Auch die „Call-and-Response“-Liedform (ein Ruf- und Antwortgesang) ist typisch für Spirituals: Hier kommuniziert ein Vorsänger mit einer Gruppe von Antwortsängern.

Von Traditionals spricht man ab dem Zeitpunkt, als Spirituals mehrstimmig werden und instrumentale Begleitung hinzugefügt wird. Beeinflusst wurde und wird Gospelmusik bis heute von den unterschiedlichsten Musikrichtungen, wie z.B. vom Blues, Jazz, Soul bis hin zu Pop- und Rapmusik.

In den letzten Jahren entwickelte sich neben dem afroamerikanischen auch ein europäischer Gospel. In seiner Art kommt dieser etwas leichter und melodiös eingängiger daher als der sehr auf den Rhythmus fokussierte afroamerikanische Gospel. Besonders die nordischen Länder Europas (Schweden und Norwegen) haben den europäischen Gospel stilistisch beeinflusst und vorangebracht.

 

 

Musik und Geschichte des Nürnberger Gospelchors

Anlass für die Gründung des Chores war ein mitreißendes Konzert des Golden Gate Quartetts in Nürnberg im Jahr 1968. Gerhard Albrecht besuchte dieses mit drei Freunden und am Ende des Abends stand fest: Diese Art religiöser Musik sollte in Nürnberg regelmäßig erlebbar sein. So trafen sich die Freunde zunächst als „Spiritual-Kreis Langwasser“ zu regelmäßigen Proben und Auftritten. Wenig später entschied das Männer-Quartett durch ein Plus an Sängerinnen und Sängern den Arrangements zu mehr Volumen und Klangfarbe zu verhelfen. Aus dem „Spiritual-Kreis“ wurde fortan der „Nürnberger Gospelchor“.

 

Das Repertoire bestand aus Liedern, die Albrecht mühsam aus Rundfunkaufnahmen, von Schallplatten und Kassetten heraushörte und diese für Chor und Begleitband arrangierte. Neben derzeit überall erhältlichem Gospelmaterial schöpft der NGC auch heute noch aus Albrechts reichem Noten-Fundus.

 

Über viele Jahre dann wuchs der Gospelchor. In seinen besten Zeiten zählte er bis zu 45 Sängerinnen und Sänger, die von einer Band aus Piano, Bass und Schlagzeug begleitet wurden. In den 80er Jahren führte der Chor die in Gospel-Gottesdiensten in den USA bis heute üblichen Tunika-Gewänder ein, die sog. „Kutten“ oder "Roben".    

 

Neben der musikalischen Umrahmung vieler Gottesdienste sowie zahlreichen Konzerten in Nürnberg und Umgebung sowie in Deutschland führten mehrere Tourneen den NGC auch nach Frankreich, Polen und Tschechien. Anlässlich der Kirchentage in Frankfurt, Dortmund, Berlin, München und Leipzig konnte sich der NGC vor großem Publikum präsentieren. Weitere Höhepunkte waren zwei in Nürnberg durchgeführte Flashmobs anlässlich des Gospel Days der „Stiftung Creative Kirche“ sowie die Teilnahme am „Meistersinger“-Wettstreit im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung „Nürnberg spielt Wagner“. Drei CDs geben einen guten Einblick in das weite Spektrum der Lieder und in die lange musikalische Entwicklung des Chores.

 

Der Tod Gerhard Albrechts im November 2011 stellte eine äußerst schmerzhafte Zäsur in der Geschichte des Nürnberger Gospelchores dar. In der Umbruchsphase übernahmen zunächst Miriam Güthler und danach Christian Probst die Leitung des Chores, bevor im Frühjahr 2013 mit Gocha Mosiashvili ein neuer Chorleiter gefunden werden konnte, der einen Master in Orchester- und Chordirigat vorweisen konnte.

 

Im April 2016 übernahm Bekki Deckart den Chor und gibt ihm mit ihrem Bachelor in Jazzgesang eine ganz neue Note.

 

 

  
1983
1985